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Von der Manufakturarbeit zur Kulturarbeit

In der historischen Zündholzfabrik Salm spielt heute das matchboxtheater. Im Fertigungsgebäude der ehemaligen Zündholzfabrik von Johann Salm, im Leverkusener Stadtteil Hitdorf, befinden sich heute die Kindertagesstätte - Die Rheinpiraten - und das matchboxtheater. Der Ziegelbau ist Teil einer gut erhaltenen Hofanlage. Die Umbauarbeiten sowohl im Jahr 1995 als auch im Jahr 1999 leiteten eine Nutzungsänderung des über 100 Jahre alten Fabrikgebäudes ein. Wo vor fast 160 Jahren ein Manufakturbetrieb aufblühte, finden heute pädagogische und dramaturgische Aktivitäten statt. Der neuerliche Umbau erfolgte weitgehend mit naturbelassenen Materialien in ökologischer Bauweise.

Die Geschichte der Zündholzfabrik

Zündhölzer wurden im Jahre 1833 erfunden. Die Zeit drängte nach einem handlichen Zündmittel zur Feuererzeugung. Nahezu gleichzeitig wurden an verschienenden Orten die - chemischen Stäbchen - als Zündstäbchen auf den Markt gebracht. Oft entstammten sie obskuren chemischen Werkstätten, die in Hinterzimmern von Privathäusern eingerichtet wurden. Seit dem Monat März des Jahres 1841 war die Verwendung von weißem Phosphor zur Herstellung von Zündhölzern auch in Hitdorf heimisch geworden, und gemäß der Einschätzung von Bürgermeister Rosellen schien die Sache - einen fabrikmäßigen Umfang nehmen zu wollen -.

Familie Salm

Am 1. Mai 1841 gründete Bernhard Salm (1811-1872) eine Zündholzmanufaktur in Hitdorf am Rhein. Es war die Hochzeit der industriellen Revolution und der Dampfmaschine. Bernhard Salm berichtet am 28. November 1850, daß ihm die polizeiliche Erlaubnis zu erteilt wurde, - in dem hinter dem Haupthause gelegenen Fabrikgebäude eine Dampfmaschine von 2 Pferdekraft zum Betriebe einer Zündhölzer-Hobel-Maschine zu errichten -. Die Schachteln der Zündhölzer wurden damals noch in handwerklicher Heimarbeit erstellt. Johann Salm (1856 - 1907) übernahm 1872 als 17-Jähriger den väterlichen Betrieb. Er vollzog die technische Weiterentwicklung der Zündholzherstellung. - Dafür spricht die im Jahre 1886 eingestellte Hölzer-Einlege-Maschine. Ihre Aufgabe bestand darin, die Hölzer mit der Zündkuppe zu versehen, wodurch die Leistung sehr stark angehoben wurde. Diese und andere Verbesserungen waren noch in dem Fabrikgebäude an der Mühlenstraße (heute Hitdorfer Straße) möglich gewesen. - Die im Jahre 1899 neu konzessionierten Fabrikhallen erwiesen sich in wenigen Jahren als zu eng. Im Jahre 1903 fand die Grundsteinlegung der neuen Fabrikationsstätte außerhalb der Ortslage Hitdorfs an der Langenfelder Straße statt. Nach dem Tod von Johann Salm im Jahre 1907 verfolgte der neue Geschäftsführer der Zündholzfabrik Salm & Co, Fritz Middelanis (1874 - 1955), Schwiegersohn von Johann Salm und Ehemann der Maria Middelanis, geborene Salm (1880 - 1963), das Ziel, - den noch restlichen Handbetrieb auf Maschinen zu übertragen, ... die Fertigung des Zündholzes vom Rohstoff bis zum Endprodukt durch alle Stufen selbst herzustellen -.

Familie Busch

Das alte Fabrikgebäude der Salmschen Zündholzfabrik an der Mühlenstraße verwaiste. Die Witwe von Johann Salm, Elisabeth Salm, geborene Schmitz (1861- 1931), betrieb im Wohnhaus eine Gastwirtschaft, benannt - Zur Post -, denn im Nachbarhaus residierte damals die kaiserliche Postagentur.

Julius Busch (1888 - 1965), Weinbrenner aus Hamburg, ehelichte 1917 Wilhelmine Salm (1893 - 1958), eine Tochter des Johann Salm. Er betrieb in den 20er Jahren eine Essigdestillation in den Hallen der ehemaligen Zündholzfabrik Salm. Für alte Hitdorfer firmiert der Gebäudekomplex heute noch als - Essigfabrik -. Die Firma geriet gegen Ende der 20er Jahre in den Sog der wirtschaftlichen Depression und mußte geschlossen werden.

Viele Jahre danach stand die Fabrik leer. Seit Mitte der 50er Jahre führte Karl-Heinz Busch (1923 - 1996) und seine Ehefrau Betty Busch, geborene Abts, eine behutsame Renovierung der historischen Bausubstanz durch. Ihre Umsicht sicherte den Erhalt der Fabrikanlage und ermöglicht die heutige Nutzung. Seitdem wurden die Hallen wieder als Produktionsstätte genutzt.

Als letzter Gewerbetreibender unterhielt der Kölner Filmarchitekt Achim Feles in den Hallen von 1986 bis 1999 ein Atelier für Filmkulissenbau.

(Die Zitate sind dem Buch - Hitdorf, Chronik eines bergischen Hafens - von Fritz Hinrichs, Opladen, 1957, entnommen.)

Die gegenwärtige Nutzung

1996 leitete Julius Busch mit seiner Lebensgefährtin Susanne Stark eine neue Nutzung der alten Räumlichkeiten ein. Seitdem wird ein Teil des Fabrikgebäudes und der Fabrikgarten als Kindertagesstätte mit Namen - Die Rheinpiraten - genutzt. Seit Mai 2000 besuchen 15 Kinder die Kindertagesstätte.

Der neuerliche Umbau im Jahr 1999 verwandelte zwei der fünf Fabrikhallen in eine Spiel- und Turnhalle der Kindertagesstätte und in eine Theaterhalle. Die Umgestaltung zum Theater wurde ausschließlich durch das Engagement von Martina und Peter Vikanis ermöglicht. Als Theaterbegeisterte schufen sie die Grundlage des matchbox theaters.

2005 erhielt das matchboxtheater den Kurt-Lorenz-Kulturpreis für seine besondere Leistung im Bereich Theater.

Julius Busch, im Juni 2000